Pontresina

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Gemeindebericht - Pontresina

Zeitraum: 25. Oktober 2022

Energiesparmassnahmen der Gemeinde Pontresina
Mit wiederholten Sparappellen an Private und Unternehmen suchen Bund und Kantone der im anbrechenden Winter drohenden Energiemangellage zu begegnen. Der Gemeindevorstand sieht die Gemeinde Pontresina als ein von den Sparappellen direkt angesprochenes Unternehmen und hat darum die Verwaltungsabteilung Infrastrukturen damit beauftragt, das mögliche Energiesparpotential in den Anlagen der Gemeinde auszuloten.
Geprüft wurden rund 60 Massnahmen, für die dazu der Stromverbrauch in den Wintermonaten errechnet wurde. Dabei zeigte sich, dass in den Verbrauchsbereichen «Wärmegewinnung» und «Kraft» erheblich mehr Einsparpotential liegt als im Bereich «Beleuchtung».
Der Gemeindevorstand stimmt 27 Einsparmassnahmen zu, von denen ein grosser Teil bereits umgesetzt sind. Damit werden pro Monat rund 126'000 Kilowattstunden (kWh) Strom eingespart. Dies entspricht dem durchschnittlichen Monatsverbrauch von rund 330 Vier-Personen-Haushalten.
Die grössten Einsparungen resultieren im Bellavita Erlebnisbad & Spa. Die auf den 1. November angesetzten Schliessungen von Aussenbecken und Wasserrutschbahn bringen monatlich 95'000 kWh bzw. 9'000 kWh. Durch die bereits erfolgte Schliessung der Aussensauna werden weitere 5'000 kWh eingespart. Der Energieverbrauch dieser Anlagen erwächst im Wesentlichen durch die Heizung, dh. durch die mit Strom betriebenen Wärmepumpen. Einsparungen von 2'200 kWh bringen die ebenfalls ab 1. November geltenden reduzierten Saunabetriebszeiten (13-21 Uhr statt 10-22 Uhr). 800 kWh bringen die gekürzten Abendöffnungszeiten des Bades (bis 21 Uhr statt bis 22 Uhr). Im Gegenzug wird die Wassertemperatur im Innenbecken wieder von 27 auf 28 Grad erhöht.
Noch in Prüfung ist die dauerhafte Abschaltung der Pontresiner Strassenbeleuchtung zwischen 00.30 und 05.30 Uhr; damit wären monatlich 2'400 kWh einzusparen und dazu auch die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Unter anderem in den Gemeinden Bever und Zuoz ist die Strassenbeleuchtung schon seit längerem zu diesen Zeiten ausgeschaltet.
Geprüft, aber wegen den absehbaren negativen touristischen Auswirkungen verworfen wurden der Verzicht auf die künstliche Beschneiung von Skiwiese, Loipen und Eisplatz (hochgerechnet 24'000 kWh/Monat) sowie auf die Beleuchtung von Nachtloipe und Eisplatz (je 1'000 kWh). Geprüft wird die Möglichkeit einer geringeren Kunstschneemengenproduktion.
In Abwägung von Ambientebereicherung und Einsparpotential wurde auch der Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung verworfen (1'200 kWh). Während der Weihnachtsbeleuchtung abgeschaltet wird dagegen die normale Strassenbeleuchtung auf der Via Maistra zwischen Hotel Schloss und «Rominger-Kreuzung» (1'000 kWh). Auf den übrigen Strassenabschnitten ist die dazu nötige Steuerung nicht vorhanden.
Diverse weitere Massnahmen mit geringem Einzelsparpotential wirken sich in der Summe aus, zB. Helligkeitsminderung in den Rondo-Büros (60 kWh) und Kürzungen der Beleuchtungsintervalle auf Parkdecks (50 kWh) und in Treppenhäusern (20 kWh). Mit der Umrüstung auf lichtemittierende Dioden (LED) in diversen Beleuchtungssystemen lassen sich weitere rund 270 kWh einsparen.
Der Gemeindevorstand ist überzeugt mit diesen Massnahmen ein annehmbares Verhältnis gefunden zu haben zwischen Energieeinsparungen und Leistungsminderungen.

Budget der Gemeinde Pontresina für das Jahr 2023
Der Gemeindevorstand bereinigt das Budget abschliessend und verabschiedet es zH. der Gemeindeversammlung vom kommenden 8. Dezember. Es sieht bei einem Aufwand von CHF 29,373 Mio. (Budget 2022: CHF 27,614 Mio.) einen Aufwandüberschuss von CHF 0,982 Mio. vor (CHF 0,226 Mio.). Wesentlich gesteigert ist der Personalaufwand (5,3%), der Sach- und übrige Betriebsaufwand (10.0%) und der Transferaufwand (12,2%). «Transferaufwand» bezeichnet Beiträge an Einrichtungen der öffentlichen Hand (zB. Region Maloja, kantonaler Finanzausgleich) und an Dritte (zB. Spital, Spitex). Das Budget basiert auf dem von 85% auf 75% gesenkten Gemeindesteuerfuss.
Das Investitionsbudget sieht einen Bruttoaufwand von CHF 10’062 Mio. vor (Budget 2022: 12,028 Mio.). Grösste Einzelpositionen sind die ersten Etappen der Inszenierung Berninabachschlucht (CHF 1,2 Mio.) und der Gesamterneuerung Schulhaus Puntraschins suot (CHF 0,5 Mio.) sowie die Belagserneuerung Parkhaus Mulin (CHF 0,6 Mio.) und der Rückbau ARA Staz (CHF 0,6 Mio.).

Wahl und Einsetzung des Gemeindeführungsstabs Energie
Am 13. Oktober 2022 hat der Kanton die Gemeinden über das Thema «Energiemangellage» informiert. Dabei wurde das vom kantonalen Führungsstab erarbeitete Handbuch vorgestellt. Die Gemeinden haben sich anhand dieses Handbuches bestmöglich auf allfällige Stromnetzabschaltungen vorzubereiten.
Der Gemeindevorstand setzt dazu den Gemeindeführungsstab (GFS) Energie ein und besetzt ihn mit
- Thomas Walther (Chef GFS, Leitung)
- Nora Saratz Cazin (Gemeindepräsidentin)
- Martin Enz (Leiter Infrastrukturen)
- Adriano Levy (Leiter Tiefbau)
- Gian Reto Marugg (Leiter Bauverwaltung)
- Ursin Maissen (Geschäftsführer Pontresina Tourismus)
- Marco Tuena (Werkmeister)
- Jeannette Guadagnini (Gemeindekanzlei)
- Urs Dubs (Gemeindekanzlei)
- Gian Andri Lehner (Brunnenmeister)
Bei Bedarf werden weitere Fachpersonen beigezogen.
Aktuell arbeitet der GFS das vom KFS zur Verfügung gestellte Kompendium von präventiven, proaktiven und reaktiven Massnahmen ab. Dazu zählen zB. die Gewährleistung der Wasserver- und der Abwasserentsorgung und der Aufbau eines Kommunikationsnetzes, das ua. die Verbindung zwischen Bevölkerung und BOAS (Behörden für Organisationen für Rettung und Sicherheit) aufrechterhält.
Die Pontresiner Einwohnerschaft soll anfangs Dezember 2022 ein erstes Mal durch den GFS Energie mit Informationen zum Thema «Energiemangellage» versorgt werden, wobei aufgezeigt werden soll, in welchen Bereichen die Zuständigkeit bei der Gemeinde liegt und welche Aufgaben durch die Einwohnerinnen und Einwohner selber wahrzunehmen sind.

Umfrage zu den Themen Logopädie und Strategie Frühe Förderung
Seit 1990 arbeiten die Oberengadiner Gemeinden in der Logopädie (Fachdisziplin, die sich ua. mit Sprach-, Sprech- und Stimmbeeinträchtigungen befasst) zusammen. Der Zusammenarbeitsvertrag wurde 2021 aktualisiert. Verschiedene Gemeinden haben angeregt zu prüfen, ob die Logopädie an weiteren Standorten angeboten werden kann, um lange Anfahrtswege zu vermeiden. Auf Empfehlung des Schulrates spricht sich der Gemeindevorstand für eine Angebotsausweitung auf 2 Standorte aus, kann aber in Pontresina keinen Therapieraum zur Verfügung stellen. Einem Fahrdienst stimmt er im Grundsatz ebenfalls zu, verlangt aber klare Kriterien für eine Anspruchsberechtigung und die Kostenübernahme durch die Wohnortsgemeinden.
Der Kanton Graubünden erarbeitete im Rahmen der Kinder- und Jugendpolitik die Strategie «Frühe Förderung Kanton GR 2022-2025». Der Gemeindevorstand Pontresina hat im Juni entschieden, das Projekt in Pontresina umzusetzen. Der Kanton empfiehlt eine lokale oder regionale Situationsanalyse zu allen professionellen und ehrenamtlichen Angeboten im Bereich Frühe Förderung durchzuführen und eine kommunale oder regionale «Strategie Frühe Förderung» inkl. Ziele, Massnahmen und Umsetzungskonzept zu erarbeiten. Auf Empfehlung des Schulrates spricht sich der Gemeindevorstand für die Mitwirkung an der Strategiearbeit und für die Übernahme des schlüsselmässigen Kostenanteils aus. Als Vertreterin in der Strategie-Arbeitsgruppe benennt er Schulsekretärin Doris Schär. Sie befasst sich seit dem Pontresiner Umsetzungsbeschluss mit dem Thema «Frühe Förderung».

Regelung Schulwechsel bei Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine
Bei einem Wohnortwechsel müssen grundsätzlich auch Schulkinder aus der Ukraine die Gemeindeschule wechseln. Die Regionale Arbeitsgruppe (RAG) Ukraine vertritt den Standpunkt, dass zum Wohle des Kindes gehandelt werden soll, wenn die ukrainischen Schulkinder in der «alten» Schule bleiben möchten und schlägt folgende Regelung vor:
Die Erziehungsberechtigten stellen dem Schulrat/der Schulkommission der aktuellen Schule einen Antrag auf weitere Beschulung in der alten Wohngemeinde.
Dieser Schulrat informiert in der Folge den Schulrat der neuen Wohnortgemeinde.
Die neue Wohngemeinde übernimmt das Schulgeld. Dies soll schriftlich festgehalten werden.
Diese Regelung entspricht grundsätzlich der bereits jetzt und für alle Schulkinder anwendbaren Handhabung. Sie wird ua. vom Schulinspektorat empfohlen. Auf Antrag des Schulrats spricht sich auch der Gemeindevorstand dafür aus, verlangt aber die Befristung der Bewilligungen, die in zu begründenden Fällen verlängert werden können.

Weiterhin kostenloser Hallenbad-Eintritt für Schutzsuchende aus der Ukraine
Die Gemeinden Pontresina und St. Moritz bieten Flüchtlingen aus der Ukraine mit Status S seit vergangenem April den Gratiseintritt an für die beiden Hallenbäder (exkl. Spa). Nach einer ersten Verlängerung von Juni bis Ende Oktober sprechen sich die beiden Gemeindevorstände nun auch für eine weitere Verlängerung bis Ende Mai 2023 aus. Die Kosten werden von den beiden Gemeinden selber getragen.
In Pontresina wurden vom 1. Juni bis zum 4. Oktober 102 solche Eintritte registriert, davon 40 von Kindern.

Unterstützungsgesuch Engadin Festival
Auf Antrag des Tourismusrates spricht sich der Gemeindevorstand für einen Finanzbeitrag an das Engadin Festivalvon jeweils CHF 10'000.- in den Jahren 2023 bis 2025 aus. Die Beiträge stehen unter dem Vorbehalt der Jahresbudgetgenehmigungen durch die Gemeindeversammlung. Zusätzlich sponsert die Gemeinde die Mieten für das Kulturzentrum Rondo
Das Engadin Festival gehört mit hochstehenden, zumeist klassischen Konzerten zu den ältesten Festivals der Schweiz.

«Shared Services» Modell für die Neustrukturierung der Engadin St. Moritz Tourismus AG
An der regionalen Präsidentenkonferenz vom 29. September 2022 ist das Geschäftsmodell einer künftigen Engaddin Tourismus AG (ETAG) 2024 diskutiert worden. Die Gemeinden bzw. die Gemeindevorstände haben sich auf der Basis der zugestellten Unterlagen bis Ende Oktober zu vernehmlassen. Die Pontresiner Gemeindepräsidentin Nora Saratz Cazin war Mitglied der Arbeitsgruppe, die das Modell für geteilte Dienstleistungen («Shared Services») für die neue regionale Tourismusorganisation erarbeitete. Im Wesentlichen definiert es die Berührungspunkte, Schnittstellen und Kooperationsfenster zwischen der nun eigene Wege gehenden St. Moritzer Tourismusorganisation und der in der neuen Organisation zusammengeschlossenen übrigen Oberengadiner Gemeinden.
Wie der Tourismusrat stimmt auch der Gemeindevorstand dem vorgelegten Modell zu und erachtet den eingeschlagenen Weg als professionell aufgegleist. Essentiell wichtig erscheint beiden Gremien, dass das öffentliche Image der regionalen Tourismusorganisation und die regionale Zusammenarbeit wieder besser werden.
Vorrausichtlich wird die ESTM AG am 4. November zusammen mit der Gemeinde St. Moritz die Medien über den aktuellen Stand des Shared Services Modells informieren.

Aktualisierte Masterpläne «Trail Winter» und «Langlauf»
Auf Empfehlung des Tourismusrats nimmt der Gemeindevorstand den von Regionalentwicklerin Claudia Jann vorgelegten neuen Masterplan «Trail Winter» und den aktualisierten Masterplan «Langlauf» in zustimmendem Sinn zur Kenntnis und will die daraus erwachsenden Aufgaben für Pontresina erfüllen.
Der Masterplan «Trail Winter» macht den Gemeinden ua. Empfehlungen für die einheitliche Beschilderung von Winterwanderwegen und Schneeschuhtrails. Der aktualisierte Masterplan Langlauf macht ua. Aussagen zur Höhenloipe Alp Bondo (weiterhin nur bei Schneemangel im Tal), zum Snowfarming-Testversuch in St. Moritz und zur Fussgängerlenkung weg von den Loipen
Tourismusrat und Gemeindevorstand erachten die touristischen Masterpläne als eine der wichtigsten Errungenschaften in der interkommunalen Tourismus-Zusammenarbeit.

Baugesuch
Nach Vorliegen der BAB-Bewilligung und auf Antrag der Baukommission erteilt der Gemeindevorstand die Baubewilligung für den Umbau der bestehenden Mobilfunkanlage auf dem Swissgrid-Starkstrommast 1390x063 auf Parz. 1602 im Gebiet Lagalb.

Urs Dubs (ud), Gemeindeschreiber


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