Sie können, wenn ich der Werbung Glauben schenke, sehr viel, die Smartwatches: E-Mails lesen und beantworten, den Schlaf überwachen, Nachrichten empfangen, kontaktlos bezahlen oder Schritte zählen. Beeindruckend. Vor allem aber: Sie nerven, und sie sind potthässlich. Ich will nicht in Nostalgie schwelgen und von meiner ersten Uhr erzählen, die mir mein Götti geschenkt hat. Ein edles Exemplar einer Schweizer Firma, das ich heute zwar nicht mehr trage, aber immer noch in meinem Schrank aufbewahre. Doch für mich ist eine Uhr nicht primär da, um die Zeit ablesen zu können, sie ist ein Schmuckstück. Und eine Smartwatch als Schmuckstück zu bezeichnen, ist ähnlich unpassend wie Moonboots mit einem Oxford-Schuh zu vergleichen. So viel zur Ästhetik von Smartwatches.
Aber die Funktionalität. Ist es nicht wahnsinnig praktisch, mit einem Blick auf mein Handgelenk mein Mail-Postfach im Griff zu haben, mit einer lässigen Bewegung an der Coop-Kasse zahlen zu können oder mir anzeigen zu lassen, wie viele Schritte ich heute schon gegangen bin? Nein, ist es nicht!
Das Aufleuchten des Displays im Minutentakt, das Gepiepse, wenn eine neue Nachricht eingegangen ist – all das brauche ich nicht. In einer Zeit der digitalen Reizüberflutung will ich eine Uhr, die schön ist und praktischerweise auch die Zeit anzeigt. Basta. Vermutlich bin ich in dieser Beziehung etwas einfach gestrickt, aber das ist mir egal. Schliesslich war schon der Berner Troubadour Mani Matter stolz auf seine einfache Uhr, wenn er singt: «Geng we myni uhr blybt stah, mahnts mi dra, das i se ja ganz alei erfunde ha und de dünkts mi i syg glych nid so ne tumme ma.»
Nun, erfunden habe ich meine Uhr zwar nicht selber. Aber sie macht mir Freude und lässt mich in Ruhe. Und genau das ist ihr grösster Luxus.
Natürlich ist es jedem selbst überlassen, ein kleines Kommandozentrum am Handgelenk zu tragen. Nur betrifft es eben nicht nur sie selbst. Wer ständig aufs Display schielt, halb zuhört, mitten im Gespräch kurz etwas checkt, ist nie ganz da.
Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied: Die einen tragen eine Uhr. Die anderen werden von ihr getragen.
Autor: Reto Stifel
Foto: www.shutterstock.com/Andrey Popov
Aber die Funktionalität. Ist es nicht wahnsinnig praktisch, mit einem Blick auf mein Handgelenk mein Mail-Postfach im Griff zu haben, mit einer lässigen Bewegung an der Coop-Kasse zahlen zu können oder mir anzeigen zu lassen, wie viele Schritte ich heute schon gegangen bin? Nein, ist es nicht!
Das Aufleuchten des Displays im Minutentakt, das Gepiepse, wenn eine neue Nachricht eingegangen ist – all das brauche ich nicht. In einer Zeit der digitalen Reizüberflutung will ich eine Uhr, die schön ist und praktischerweise auch die Zeit anzeigt. Basta. Vermutlich bin ich in dieser Beziehung etwas einfach gestrickt, aber das ist mir egal. Schliesslich war schon der Berner Troubadour Mani Matter stolz auf seine einfache Uhr, wenn er singt: «Geng we myni uhr blybt stah, mahnts mi dra, das i se ja ganz alei erfunde ha und de dünkts mi i syg glych nid so ne tumme ma.»
Nun, erfunden habe ich meine Uhr zwar nicht selber. Aber sie macht mir Freude und lässt mich in Ruhe. Und genau das ist ihr grösster Luxus.
Natürlich ist es jedem selbst überlassen, ein kleines Kommandozentrum am Handgelenk zu tragen. Nur betrifft es eben nicht nur sie selbst. Wer ständig aufs Display schielt, halb zuhört, mitten im Gespräch kurz etwas checkt, ist nie ganz da.
Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied: Die einen tragen eine Uhr. Die anderen werden von ihr getragen.
Autor: Reto Stifel
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Reto Stifel
r.stifel@engadinerpost.ch
Reto Stifel ist seit 2009 Chefredaktor der Engadiner Post.
Reto Stifel ist seit 2009 Chefredaktor der Engadiner Post.
PS werden von den Redaktorinnen und Redaktoren der Engadiner Post / Posta Ladina geschrieben und erscheinen wöchentlich in der Samstagsausgabe der EP/PL.

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