Entscheidende Wochen für das Spital
Das dominierende Thema im Jahr 2025 im Oberengadin wird auch das dominierende Thema 2026 sein: die Zukunft des Spitals Oberengadin. Auch wenn es viele (immer noch nicht) wahrhaben wollen: Die Zukunft des Spitals steht auf Messers Schneide. Im Frühjahr des vergangenen Jahres wurde die Integration des Spitals Samedan ins Kantonsspital Graubünden abgelehnt. Im November erlitt eine Übergangsfinanzierung von 50,8 Millionen Franken Schiffbruch. Seither befindet sich das Spital in der provisorischen Nachlassstundung. Diese verschafft zumindest etwas Zeit, um einen Sanierungsplan auszuarbeiten und damit einen sofortigen Konkurs zu vermeiden. Fakt aber ist: Bis Ende März ist das Spital aufgrund der ausbleibenden öffentlichen Gelder zahlungsunfähig.
Darum wird zurzeit mit Hochdruck daran gearbeitet, die Weichen für die Gesundheitsversorgung im Oberengadin neu zu stellen. Konkret arbeiten verschiedene Teams aus der Klinik Gut, die zur Kantonsspital-Gruppe (KSGR) gehört, der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) und externe Spezialisten daran, das künftige Leistungsangebot zu definieren und dieses mit einem Preisschild zu versehen. Der Zeitdruck ist enorm: Bereits am 4. Februar (Gemeindeversammlungen) und am 8. März (Urnenabstimmungen) geht es um die Frage, ob das Spital in Samedan eine Zukunftsberechtigung hat oder nicht.
Am kommenden Dienstag wird der SGO-Stiftungsrat die Abstimmungsbotschaft beraten und zuhanden der Gemeinden verabschieden, am Mittwoch erfolgt eine Information der Gemeindebehörden und der Medien, und am Mittwoch, 21. Januar, findet ein öffentlicher Informationsanlass statt. Wie sich der Sanierungsplan in groben Zügen präsentieren könnte, ist bekannt. Bis mindestens Ende März führt die SGO die Alterszentren/Spitex und die Beratungsstelle Alter & Gesundheit weiter, bevor diese in neue Trägerschaften überführt werden. Die Beteiligungsverhältnisse am Rettungsdienst (REO) werden veräussert, und ab dem 1. April übernimmt die KSGR-Gruppe die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung im Oberengadin. Bereits kommuniziert wurde auch, dass an den beiden Standorten St. Moritz und Samedan festgehalten wird.
Offene Fragen beim Flughafen
Am 17. August des letzten Jahres haben die Stimmberechtigten der Flughafen-Trägergemeinden im Grundsatz grünes Licht für die Erneuerungsinvestitionen am Regionalflughafen Samedan gegeben. Wann aber gebaut wird, bleibt offen. Denn nur wenige Tage vor den Abstimmungen war eine Stimmrechtsbeschwerde eingegangen, in der beanstandet wird, dass sich die Stimmberechtigten aufgrund der Abstimmungsbotschaft kein genügend fundiertes Bild von der Vorlage haben machen können.
Das Obergericht wies die Beschwerde am 21. November ab, der Beschwerdeführer hat aber kurz vor Jahresende bekannt gegeben, dass er die Streitsache ans Bundesgericht in Lausanne weiterzieht. Damit bleibt das Projekt sistiert, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.
Das bringt vor allem die Rega in Schwierigkeiten: Sie muss bis Ende dieses Jahres den neuen Heliport fertig gebaut haben, der zwei weiteren Helikopterfirmen dienen wird. Streitpunkt ist ein Unterbaurechtsvertrag, der zwar vorliegt, aber noch nicht unterzeichnet ist. Die Infra verweist auf fehlende Rechtssicherheit, während die Rega argumentiert, der Vertrag könne unabhängig vom Verfahren durch die Flughafenkonferenz verabschiedet werden.
Entsprechend darf die nächste Sitzung der Flughafenkonferenz am 22. April mit Spannung erwartet werden. Diese steht erstmals unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Claudio Dietrich, Gemeindevorstand aus Sils.
Wer fährt nach Chur?
Alle vier Jahre werden die fünf Sitze der Bündner Regierung und die 120 Mandate im Grossen Rat neu vergeben. Der erste Wahlgang findet am Sonntag, 14. Juni, statt, ein allfälliger zweiter am 16. August. Der Scuoler Mitte-Politiker Jon Domenic Parolini scheidet Ende Jahr aufgrund der Amtszeitbeschränkung aus der Regierung aus. Die Bisherigen Carmelia Maissen, Marcus Caduff (beide Die Mitte), Peter Peyer (SP) und Martin Bühler (FDP) treten zur Wiederwahl an. Damit ist ein Regierungssitz neu zu besetzen.
Die Mitte will ihre Dreiervertretung verteidigen und schlägt der Nominationsversammlung Aita Zanetti, Gemeindepräsidentin von Scuol vor. Die SVP strebt nach längerer Abwesenheit die Rückkehr in die Regierung an und hat bislang Valérie Favre Accola und Walter Grass nominiert. Auch die Grünliberalen melden Anspruch auf einen Sitz an; nominiert wurde Nora Saratz Cazin, Gemeindepräsidentin von Pontresina.
Die 120 Grossratssitze werden in 39 Wahlkreisen vergeben. Zwar haben einzelne Parteien bereits Kandidierende nominiert, der offizielle Eingabeschluss für die Wahlvorschläge ist jedoch erst am 23. März. Die Südbündner Wahlkreise behalten ihre bisherige Sitzzahl. Dem Oberengadin stehen acht Mandate zu, dem Kreis Suot Tasna drei, Poschiavo zwei sowie Bregaglia, Brusio, Ramosch, Sur Tasna und Val Müstair je eines.
Wegweisender Solar-Entscheid
Der Schweizer Solarexpress kommt nur schleppend voran. Ein Grund dafür sind Einsprachen gegen viele der geplanten alpinen Photovoltaikanlagen. Kurz vor Jahresende hat das Samedner Solarkraftwerk auf der Flugplatzebene die rechtskräftige Baubewilligung erhalten. Ob die Grossanlage, die jährlich rund 23 GWh erneuerbaren Strom liefern soll, tatsächlich gebaut wird, entscheidet sich in diesem Jahr. Die Bau- und Betriebsgesellschaft ist gegründet, der definitive Bauentscheid soll im Oktober fallen. Ist dieser positiv, könnte der erste Teil der Anlage Ende 2027 den Betrieb aufnehmen.
Grossprojekt Islas
114 Millionen Franken wird die Arealentwicklung Islas in St. Moritz kosten. Über die nächsten Jahre werden auf dem Areal am südlichen Dorfeingang ein Eissport- und Trainingszentrum, eine Park-and-Ride-Anlage und eine Wertstoffhalle entstehen. Zudem wird das Areal mit einem neuen Kreisel ab der Kantonsstrasse erschlossen. 2026 muss das Areal aber zuerst von Altlasten befreit werden. Die Baueingabe soll noch in diesem Monat erfolgen, der Start der Altlastensanierung ist für April geplant.
Autor: Reto Stifel
Foto: www.shutterstock.com/Bell Ka Pang
Autor: Reto Stifel
Foto: www.shutterstock.com/Bell Ka Pang



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