Bevor draussen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee um jeden Ball gekämpft wird, herrscht im Stall Hochbetrieb. Gian Clalüna, Stallmeister aus Sils, hält während des Polo-Wochenendes eine Schlüsselrolle inne: Er sorgt dafür, dass die Polo-Ponys während des Snow Polo World Cups genau das bekommen, was sie brauchen, um Höchstleistungen abliefern zu können. Im Zentrum steht dabei nicht das Spektakel, sondern die Ernährung – präzise abgestimmt, streng kontrolliert und bis ins Detail durchdacht.

Heu ist nicht gleich Heu
Die Basis der Fütterung bildet Heu. Doch nicht irgendeines. Clalüna setzt auf Fexer Heu, langfaserig, voll von duftenden Bergkräutern und von gleichbleibender Qualität. «Die Pferde spinnen regelrecht nach diesem Heu, sie lieben es», sagt er. So sehr, dass manche Teams dieses Heu sogar mit nach England nehmen. Ergänzt wird die Grundration je nach Bedarf mit Heu aus Luzern, allerdings kurz geschnitten und dosiert. Zu viel Rohfutter könne problematisch sein. «Es gibt Pferde, die können nicht aufhören und fressen zu viel. Dann drohen Koliken.» Um genau kontrollieren zu können, was die Tiere aufnehmen, liegen in den Boxen Hobelspäne statt Stroh. So wird verhindert, dass die Pferde zusätzliches Material fressen. Auch beim Wasser kennt Clalüna keine Kompromisse: Es kommt frisch ab Hahn, ist temperiert und liegt konstant bei acht bis zehn Grad. «Ist das Wasser zu warm, trinken sie zu viel. Ist es zu kalt, kriegen sie Bauchschmerzen. Das wollen wir nicht.»

Grosse Mengen, exakt geplant
Der Aufwand ist beträchtlich. Während des Turnierwochenendes betreut Clalüna um die 115 Polo-Ponys (jedem Team stehen pro Spiel 18 Pferde zur Verfügung, sechs Teams nehmen am Turnier teil). Entsprechend gross sind die Futtermengen: Rund 450 Kilogramm Heu wird verbraucht, dazu kommen mehrere Paletten Kraft- und Mischfutter sowie zusätzliches Heu für sensible Tiere. «Wir halten auch älteres, weniger scharfes Heu bereit», erklärt Clalüna. Manche Pferde vertragen das Bergheu nicht in grossen Mengen – dann müsse man flexibel reagieren. Alles werde vorbereitet, gelagert und genau zugeteilt. «Man scheut keinen Aufwand.»

Energie zur richtigen Zeit
Neben Heu spielt Hafer eine zentrale Rolle. Allerdings nicht als ganzes Korn, sondern flockiert. «Ein Pferd kann ganze Körner kaum verwerten», erklärt Clalüna. Durch das Flockieren stehe die Energie schneller zur Verfügung – entscheidend in einem Sport, in dem kurze Belastungsspitzen gefragt sind. Ergänzend kommt ein spezielles Pferdemüsli zum Einsatz, leicht gesüsst mit Sirupkonzentrat, damit es gut aufgenommen wird. «Geschmack ist auch bei Pferden wichtig.» Die Fütterung erfolgt in kleinen Portionen über den ganzen Tag verteilt. Nie alles auf einmal. «Du gibst ein bisschen Heu, wartest, dann etwas Hafer – und nach ein paar Stunden beginnt es wieder von vorne.» Diese Rhythmik sei zentral, gerade während der Turniertage.

Keine Extras, keine Experimente
Leckerlis wie Äpfel oder Rüebli sind tabu. Nicht aus Strenge, sondern aus Konsequenz. «Alles ist genau vorgeschrieben», sagt Clalüna. Die Pferde müssten Spitzenleistung erbringen, da dürfe nichts dem Zufall überlassen werden. Gedopt werde nicht – schon gar nicht über Futter. Auch deshalb sind die meist argentinischen Gauchos, die die Tiere betreuen, rund um die Uhr präsent. Es sei auch schon vorgekommen, dass die Gauchos auf einer Decke neben den Pferden in der Box geschlafen haben. «Sie merken sofort, wenn mit den Pferden etwas nicht stimmt.» Der Aufwand ist beträchtlich. Für ein Turnierwochenende werden Dutzende Heuballen angeliefert, Boxen aufgebaut, Böden vorbereitet. «Man scheut keinen Aufwand», sagt Clalüna. Denn am Ende gehe es um das Wohl der Tiere. «Das sind keine Sportgeräte», betont er. «Das sind Lebewesen. Und sie geben dir alles zurück, wenn du es richtig machst.»

Autorin: Sina Margadant
Foto: fotoswiss.com/Giancarlo Cattaneo