Der Name «Blumengalerie» kommt nicht von ungefähr. Wer im Laden von Claudia Lischer steht, wähnt sich in einer Erlebniswelt voller Farben und Formen. Gezielt inszeniert sind die Gestecke, Blumensträusse und Accessoires. Dabei verleihen die hohen Räume, die dunkelgrüne und die rosarote Wand sowie das ausgewählte Interieur eine Atmosphäre wie in einer Kunstgalerie. «Viele Leute, die immer wieder ins Engadin kommen, schauen jedes Mal bei uns vorbei», erzählt die Inhaberin. Die Ästhetik im Raum und die Vielfältigkeit des Angebots gefalle den Kundinnen und Kunden. Im Laden werden nicht nur Blumen verkauft, Claudia Lischer ist immer auch auf der Suche nach besonderen Accessoires oder schönen Vasen. «Wir sind wie ein Concept-Store mit Blumenbezug», erklärt sie.
Saisonbetrieb mit Schwankungen
Es ist Hochsaison in St. Moritz und der Valentinstag naht – für Claudia Lischer und ihr Team ist es gerade die intensivste Zeit. «Wir sind als Saisonbetrieb grossen Schwankungen ausgesetzt, mal ist es hektisch, dann wieder sehr ruhig», sagt sie. Als Saison-Mitarbeiterin ist Claudia Lischer vor über drei Jahrzehnten einst nach St. Moritz gekommen. Sie ist nicht nur geblieben, sondern hat, erst 26-jährig, den eigenen Blumenladen eröffnet. «Damals ergab sich diese Möglichkeit und ich habe sie ziemlich blauäugig ergriffen», erzählt die Floristin. Den Meistertitel hat sie dann in Österreich gemacht.
Claudia Lischer ist in der Nähe von Luzern auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Meine Mutter hatte einen grossen Blumengarten und einen grünen Daumen, den ich wohl geerbt habe», sagt sie. Der Beruf Floristin habe ihr zugesagt, da er ihren Fähigkeiten entspreche. «Wer Floristin werden will, sollte ein Flair für Farbkombinationen haben, kreativ sein, aber auch mit anpacken können», sagt sie. Auch handwerkliches Geschick sei gefragt, wenn zum Beispiel Installationen angefertigt werden, um die Blumendekoration daran zu befestigen. «Der Beruf der Floristin wird oftmals unterschätzt», meint die Meisterfloristin.
Den Jahreszeiten angepasst
Floristinnen haben einen abwechslungsreichen Job, da dieser sich an die Jahreszeiten anpasst. «Im Sommer versuchen wir, ausschliesslich mit Schweizer Gärtnereien zusammenzuarbeiten, zum Beispiel mit Madlaina Lys in Lavin», erzählt Claudia Lischer. Blumen verschönern den Alltag und jede Feierlichkeit. Floristinnen begleiten die Menschen in bedeutsamen Momenten: Taufe, Hochzeit, Geburtstag, Begräbnis. Zu den Kundinnen und Kunden der Blumengalerie gehören Einheimische, Zweitheimische und auch Hotels und Geschäfte. «Unsere Kunden sind mit mir älter geworden, haben Kinder und Enkelkinder, die dann wieder bei uns Blumen bestellen. Es entsteht eine Verbindung über Generationen hinweg», sagt die Meisterfloristin.
Der unvergleichliche Stil der Blumengalerie-Kreationen lässt sich nicht so einfach erklären. Claudia Lischer versucht es trotzdem: «Wir sind nicht der Blumenladen, der Sträusse mit viel Grün bindet, unsere Sträusse sind luftig, mit einem speziellen Farbkonzept.» Das Wichtigste sei, eine Blume richtig zur Geltung kommen zu lassen.
25 000 Nelken auf dem Tisch
Blumen kann man zu jedem Anlass schenken, sie sind aber ein Luxusgut. Die Preise für Schnittblumen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein Problem der Branche ist die Nachfolgeregelung. Es gibt immer weniger Gärtnereien, während die Nachfrage an Blumen hoch bleibt. Blumen werden auch in Krisenzeiten gekauft. «Wer einmal die Erfahrung macht, dass Blumen Emotionen auslösen oder einfach gut tun, kauft oder schenkt immer wieder welche», weiss die Floristin.
In St. Moritz ein Blumengeschäft zu führen, bringt immer wieder interessante Aufträge.«Einmal durften wir in einem Privatklub einen Tisch mit 25 000 Nelken schmücken», erzählt Claudia Lischer. Solche Aufträge seien aber die Ausnahme. Am Valentinstag sind vor allem Rosen gefragt. «Für Floristinnen ist der Valentinstag also keine kreative Herausforderung», meint Claudia Lischer schmunzelnd.
Eine grosse Verantwortung
Claudia Lischer ist dreifache Mutter, ihr Mann ist zu Hause geblieben, während sie das Geschäft aufbaute und führte. Gestartet ist sie vor 30 Jahren als Ein-Frau-Betrieb. Heute ist sie Arbeitgeberin für acht bis zehn Personen, je nach Saison. «Es ist eine grosse Verantwortung», gibt die Meisterfloristin unumwunden zu. Im Oberengadin herrsche zudem eine starke Fluktuation bei den Mitarbeitenden von Saisonbetrieben, was immer wieder Wechsel mit sich bringe.
In 30 Jahren hat die Blumengalerie einige Veränderungen erlebt. «Qualität war mir aber immer wichtig», betont Claudia Lischer. Der Anerkennungspreis der Stiftung Bündner Handwerk (siehe Kasten) hat die Meisterfloristin positiv überrascht und sehr gefreut. «Es ist auch eine Anerkennung für unsere Berufsgattung», sagt die Floristin.
Diskutieren Sie mit
Login, um Kommentar zu schreiben