Über 13 000 Läuferinnen und Läufer bewegen sich am Sonntag zwischen Maloja und S-chanf durch eine sensible Naturlandschaft. Entsprechend gross ist der organisatorische Aufwand – nicht nur sportlich, sondern auch ökolo­gisch. Neu setzt der Engadin Skimara­thon deshalb auf ein Abfallkonzept mit klar definierten «Abfallzonen» entlang der Strecke.

Die Massnahme ist eine Reaktion auf Beobachtungen der vergangenen Jahre. Zwar stammen Becher und Verpa­ckungen an den offiziellen Verpfle­gungsposten grösstenteils aus kontrol­lierter Ausgabe. Zunehmend gesichtet wurden jedoch Verpackungen von mitgebrachten Energieriegeln oder Gels, die unterwegs achtlos entsorgt wurden. «Man hat vermehrt Rückmeldungen erhalten, dass Verpackungen auf der Strecke liegen», sagt Geschäftsführer Menduri Kasper. Das sei nicht nur unschön, sondern könne im Extremfall auch sportliche Auswirkungen haben: Bleibt Papier bei nassen Bedingungen an den Skiern haften, bremst es.

Zehn Zonen auf 42 Kilometern
Das neue System ist einfach: Abfall darf nur noch in klar signalisierten Zonen entsorgt werden. Diese befinden sich bei den Verpflegungsposten sowie an zusätzlichen, strategisch gewählten Punkten entlang der Strecke. Insgesamt sind es rund zehn Standorte zwischen Start und Ziel.

Beginn und Ende der Zonen sind mit Tafeln gekennzeichnet. Innerhalb dieser Abschnitte dürfen Teilnehmende Verpackungen und Becher fallen lassen – idealerweise seitlich der Loipe. Unmittelbar nach dem Rennen werden die Bereiche kontrolliert, gesäubert und bei Bedarf neu präpariert. Zusätzlich sind sogenannte Clean-up-Teams auf Skiern unterwegs, die die gesamte Strecke nach dem Durchgang des Feldes abfahren und liegen gebliebenen Abfall einsammeln.

Die Platzierung der Zonen basiert auf Erfahrungswerten und logischen Überlegungen – etwa dort, wo sich viele Sportlerinnen und Sportler zusätzlich verpflegen. Ob alle Standorte optimal gewählt sind, wird sich zeigen. «Das ist ein System, das wir jetzt ausprobieren», sagt Kasper. Anpas­sun­gen seien möglich.

Disqualifikation als letztes Mittel
Wer seinen Abfall ausserhalb der definierten Bereiche entsorgt, verstösst gegen das Reglement. Im Wiederholungs- oder Vorsatzfall kann dies zur Disqualifikation führen. «Es ist wichtig, dass die Teilnehmenden wissen, dass das Konsequenzen haben kann», betont Kasper. Gleichzeitig sei klar, dass nicht jede verlorene Verpackung automatisch sanktioniert werde. Entscheidend sei, ob jemand bewusst und regelwidrig handle.

Das neue Abfallkonzept fügt sich in eine Reihe von Umweltmassnahmen ein. Bereits seit mehreren Jahren gilt ein striktes Verbot von Fluorwachsen, das mit Stichproben kontrolliert wird. Zudem wird die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr gefördert. Für die Organisatoren ist klar: «Die Natur ist unser Gastgeber.» Entsprechend soll sie nach dem Grossanlass möglichst sauber zurückgelassen werden.

Ob das neue System Wirkung zeigt, wird sich nach dem Rennwochenende weisen. Die Hoffnung ist, dass klare Regeln, sichtbare Signalisation und die Möglichkeit von Sanktionen das Bewusstsein schärfen – damit die Spur nicht nur schnell, sondern auch sauber bleibt.

Autorin: Sina Margadant
Foto: Engadin Skimarathon