Am Engadin Skimarathon kam in diesem Jahr erstmals ein erweitertes Abfallkonzept zur Anwendung. Auf der 42 Kilometer langen Strecke wurden insgesamt zehn klar definierte Abfallzonen eingerichtet, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer offiziell ihren Müll wegwerfen konnten. Zudem waren sogenannte «Cleanup Heroes» unterwegs: Freiwillige, die unmittelbar nach dem Durchgang des Läuferfeldes auf der Loipe unterwegs waren und liegen gebliebenen Müll einsammelten.

Die Teams bewegten sich auf Skiern entlang der Strecke zwischen Maloja und S-chanf und sammelten Abfall, der ausserhalb der vorgesehenen Entsorgungszonen zurückgeblieben war. Unterwegs herrschte eine fast schon kameradschaftliche Stimmung. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilneh­mer applaudierten den Cleanup-Teams oder bedankten sich im Vorbeilaufen für ihren Einsatz.

Gel-Beutel und Plastikstücke
Gesammelt wurde dennoch einiges. Am häufigsten lagen Gel-Beutel, kleine Plastikflaschen, Cola-Dosen und Verpackungen von Energieriegeln entlang der Strecke – teils mitten auf der Loipe, teils mehrere Meter abseits davon. Auch Teile von abgebrochenen Stöcken, Stocktellern sowie Getränke­bidons gehörten zu den typischen Fundstücken. Daneben tauchten auch ungewöhnlichere Gegenstände auf: kaputte Skier, Teile von Bindungen, Handschuhe, Halstücher, Brillengläser oder beschädigte Brillen. Sogar eine Wasserpistole wurde im Schnee entdeckt.

Im Vergleich zu früheren Jahren blieb insgesamt jedoch weniger Abfall liegen. Das neue System mit klar signalisierten Entsorgungszonen scheint also grundsätzlich zu funktionieren. Allerdings braucht es auch das Mittun der Läuferinnen und Läufer. Nicht alle haben sich an die Regeln gehalten – trotz drohender Disqualifikation.

Laut Menduri Kasper, Geschäftsführer des Engadin Skimarathons, wurde keine einzige Disqualifikation ausgesprochen. Vielleicht ein Punkt, bei dem man in den nächsten Jahren konsequenter durchgreifen kann oder muss. Allerdings möchte man seitens Veranstalter verhindern, dass die Teilnehmenden selbst zu «Polizisten» werden und Läuferinnen oder Läufer, die ausserhalb der Abfallzonen Müll wegwerfen, bei der Rennleitung melden. «Sonst haben wir plötzlich 12 000 ‹Polizistinnen und Polizisten› auf der Loipe – das wäre das reine Chaos», so Kasper.

Gleichzeitig zeigte der Praxistest auch, dass einzelne Standorte möglicherweise noch optimiert werden müssen. Besonders geeignet scheinen Stellen auf oder gleich nach kurzen Abfahrten zu sein, wo die Läuferinnen und Läufer Zeit haben, sich zu verpflegen. Einzelne Zonen könnten deshalb künftig leicht verschoben oder verlängert werden.

Schanzen-Abfahrt nicht bewährt
Als eine nicht optimal platzierte Abfallzone erwies sich jene bei der Abfahrt gleich nach der Olympiaschanze in St. Moritz. Die Passage ist steil und technisch anspruchsvoll. Liegen dort Verpackungen oder Gel-Päckchen auf der Loipe oder gar in der Klassischspur, kann dies für die Teilnehmenden gefährlich werden. Wer auf eine solche Verpackung tritt, wird abrupt gebremst – Stürze sind dann kaum zu vermeiden.

Insgesamt fällt die erste Bilanz dennoch positiv aus. Das neue System hat das Littering sichtbar reduziert. Ganz ohne Abfall blieb die Strecke jedoch auch in diesem Jahr nicht. Entsprechend bleibt neben den organisatorischen Massnahmen auch die Eigenverantwortung der Teilnehmenden entscheidend. (sm)

Fotos: Monika Giovanoli, Sina Margadant, Valentin Mächler, Katja Schneider