Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) hat am Dienstag die Bilanz der Wolfspräsenz und -regulation im Jahr 2025 publiziert. Die im Jahr 2025 bestätigten elfeinhalb Wolfsrudel berücksichtigen auch grenzüberschreitende Rudel, die anteilsmässig als halbe Rudel eingerechnet werden. Neu gebildet haben sich die Rudel Agnas, Sinestra, Seta, und Frisal. Die Zahl der bestätigten Nutztierrisse im Kanton lag mit 217 Tieren fast auf demselben Niveau wie 2024, als 213 Risse gezählt wurden. Die überwiegende Mehrheit der bestätigten Nutztierrisse betraf wie in den Vorjahren Schafe und Ziegen (97,7 Prozent). Bei Rindern und Pferdeartigen blieb die Zahl der Risse mit fünf Fällen (2,3 Prozent) konstant.

Geringe Präsenz in Siedlungsnähe
«Punktuell wurden im Jahr 2025 Beobachtungen von Verhaltensauffälligkeiten bei Wölfen registriert», heisst es in der Medienmitteilung des AJF. Insgesamt sei die Präsenz von Wölfen in Siedlungsnähe, gemessen an der Zahl und Verbreitung auffälliger Beobachtungen, aber geringer als in den Vorjahren. «Dies dürfte einerseits auf die milden Witterungsverhältnisse zurückzuführen sein, andererseits möglicherweise auf die in den Herbstmonaten 2024 und 2025 vorgenommenen Regulationsabschüsse». Der genaue Einfluss der Regulation werde jedoch erst mit zunehmender Erfahrung und weiteren Beobachtungen belastbarer beurteilbar sein. 

Die mittlerweile vorliegenden DNA-Analysen der im Herbst/Winter 2025 erlegten Wölfe zeigen eine im Vergleich zum Vorjahr geringere Zahl an Fehlabschüssen. Auch die Zahl der erlegten, rudelfremden Individuen fiel mit zwei Tieren tiefer aus. «Dieser Wert hängt jedoch primär von der lokalen Wolfssituation ab und lässt sich nur begrenzt beeinflussen», informiert das AJF.

Sinestra-Leitweibchen ist erlegt
Die Ergebnisse belegen, dass im zur Entnahme freigegebenen Rudel Sinestra das Leitweibchen erlegt wurde. In den ebenfalls zur Entnahme freigegebenen Rudeln Moesola und Muchetta wurden die Leitmännchen erlegt. «Solche Eingriffe können zur Auflösung oder Verdrängung eines Rudels oder zu einer Neuverpaarung des verbleibenden Elterntiers führen», sagt Adrian Arquint, Co-Leiter des Amts für Jagd und Fischerei. «Wie sich die Situation in diesen Gebieten entwickelt, wird das laufende Monitoring in den kommenden Monaten zeigen.»

Im Rahmen der Hoch- und Sonderjagd wurden zur Unterstützung der kantonalen Wildhut auch autorisierte Jägerinnen und Jägern beigezogen. Autorisierte Jäger erlegten im Rahmen der Hochjagd 2025 sieben Wölfe, im Rahmen der Sonderjagd 2025 wurden keine Wölfe erlegt. Im Jahr 2025 besuchten 255 Jägerinnen und Jäger die dazu obligatorischen Ausbildungsabende. Insgesamt sind aktuell rund 3100 Jägerinnen und Jäger für Wolfsabschüsse autorisiert

Nicht das gesamte Rudel erlegt
Gemäss dem Faktenblatt zur Wolfspräsenz und Wolfsregulation 2025/26 wurde das Sinestra-Rudel im Unterengadin im August 2025 auf sieben Welpen und einem Elternpaar geschätzt. Der Abschuss des gesamten Rudels wurde bewilligt. Von den neun Tieren konnten allerdings nur sechs erlegt werden. Im Oberengadin sind beim Agnas-Rudel zwei Welpen vermerkt, wovon einer im gesetzlichen Rahmen erlegt wurde. Aufgeführt sind auch fünf Einzelwölfe, wovon zwei im Bergell und Engadin unterwegs waren. Beide wurden gemäss Abschussliste erlegt.

Text und Illustration: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden