Ein zentraler Punkt für seinen Rücktritt sei zuletzt die Teamsituation gewesen. Einige seiner Anschieber hätten mit dem Bobsport aufgehört oder begonnen, selber Pilot zu werden. «Ich hätte praktisch ein komplett neues Team aufbauen müssen, und der Nachwuchs ist zurzeit dünn gesät», sagt er.
Gerade aus dem Engadin heraus sei es besonders schwierig, ein neues Team zusammenzustellen, da die Vernetzung mit Leichtathletik-Clubs im Unterland fehle. Dort werden viele Anschieber rekrutiert.

Finanzieller Spagat
Ein weiterer Punkt seien die Finanzen gewesen. Über all die Jahre habe man finanziell praktisch immer eine Nullrunde geschrieben. «Es war nie möglich, ein Polster aufzubauen, um wirklich in den Sport zu investieren.» Gleichzeitig habe auch die private Vorsorge darunter gelitten. In den letzten zehn Jahren habe er in diesem Bereich fast nichts einzahlen können. «Das rächt sich natürlich irgendwann», sagt er offen.

Private Gründe
Der Hauptgrund für den Rücktritt liege jedoch im Privaten. Seine Partnerin Michelle ist schwer erkrankt. «Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt. Diese Situation hat mir einen anderen Blickwinkel gegeben, und die Motivation, alles für den Spitzensport zu geben, ist einfach nicht mehr da.» Er wolle die verbleibende Zeit bewusst nutzen. «Ich möchte mir später nicht vorwerfen müssen, dass ich wegen des Sports unsere gemeinsame Zeit aufs Spiel gesetzt habe.»
Trotzdem blickt Cédric Follador sehr dankbar auf seine Bob-Karriere zurück. «Dieser Sport hat sich von einem Hobby zu meiner Arbeit entwickelt. Es war ein Privileg, auf der ganzen Welt reisen zu können.» Besonders hebt er auch die Menschen hervor, die er im Bobsport kennenlernen durfte. «Mit guten Menschen unterwegs zu sein, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten – das hat mir sehr viel gegeben.»
Zu den sportlichen Höhepunkten zählt für ihn insbesondere der Gewinn eines olympischen Diploms. «Meine Karriere mit einem olympischen Diplom abzuschliessen, ist mehr, als ich mir je erträumt habe», sagt er.

Offene Zukunft
Beruflich ist seine Zukunft bereits teilweise geregelt. Er kann zu seiner früheren Arbeitsstelle bei der Gemeinde St. Moritz zurückkehren und dort wieder arbeiten. Gleichzeitig laufen Gespräche mit dem Verband Swiss Sliding über eine mögliche zukünftige Aufgabe. «Die Gespräche laufen noch, aber es sieht sehr gut aus, dass ich dem Bobsport erhalten bleibe», sagt er.
Er könnte sich insbesondere eine Tätigkeit als Bahntrainer vorstellen. «Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Erfahrungen gesammelt, die ich sicher weitergeben könnte. Ich glaube, ich könnte viele Impulse geben.» Eine definitive Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betont Follador.

Autor: Andrea Gutgsell
Foto: Bob Team Follador