Es riecht nach Metall und Polierpaste, die Luft ist warm. In einer Ecke des Ateliers der Familie König in Celerina stehen zwei Gasbrenner, daneben eine massive Werkbank. Darauf: ein Objekt aus Silber, kantig und zugleich in Bewegung. Kein klassischer Pokal, kein glatt poliertes Symbol des Sieges. Sondern die «Best in Show Trophy» von The I.C.E. St. Moritz. Gefertigt wurde sie hier, im Engadin, in über 300 Stunden Handarbeit. Entworfen hat sie kein Geringerer als der britische Architekt Lord Norman Foster. Umgesetzt wurde sie von einem Betrieb, der sonst Schmuckunikate herstellt.
Handwerk statt Serienproduktion
«Wir sind klassische Juweliere», sagt Nicholas König. Dritte Generation im Familienunternehmen, gegründet 1985 von seinem Grossvater. «Alles, was wir machen, entsteht von Anfang bis Ende in Handarbeit.» Normalerweise sind es Ringe, Ketten oder Einzelstücke aus Gold, verziert mit Edelsteinen. Silber in dieser Dimension ist für das Atelier eine Ausnahme – und eine Herausforderung. Denn Silber, erklärt König, ist ein undankbares Material. Spröde, schwer zu kontrollieren, heikel beim Löten. Während klassische Trophäen oft gedreht, gepresst oder beschichtet werden, musste diese Form aus einzelnen Teilen aufgebaut werden. «Man muss gedanklich zurückgehen und sich überlegen: Wie baue ich das überhaupt zusammen?»
Architektur aus Metall
Die Grundidee zur Trophäe kam vom Event selbst. The I.C.E. St. Moritz wollte eine Auszeichnung, die dem internationalen Anspruch des Concours d’Elegance gerecht wird. Kein Massenprodukt, sondern ein Objekt mit Charakter. Foster brachte erste Skizzen mit – die Königs verfeinerten sie. Architektonische Gedanken spielten dabei eine zentrale Rolle. Schichtung, Bewegung, Asymmetrie. Die Form erinnert an Eisschichten, an Dynamik, an etwas, das nicht stillsteht. «Es geht um Bewegung», sagt Renée Madeleine König, die ältere Schwester von Nicholas, ebenfalls im Familienunternehmen tätig. «Das passt zum Event – und zu den Autos.»
300 Stunden unter Zeitdruck
Der Zeitplan war sportlich. Mitte Dezember 2024 kam das Design, Ende Februar 2025 musste alles fertig sein – inklusive Transportbox. Diese wiederum wurde eigens in Genf gefertigt. Mehrere Fahrten, unzählige Abstimmungen, viel Koordination. Im Atelier wurde gelötet, gefeilt, poliert. Teilweise mit zwei Flammen gleichzeitig. «Die Hitze hier drin war brutal», sagt Renée König. «Aber genau das ist unser Alltag. Wir sind eine Manufaktur – wir nehmen uns die Zeit.»
Keine Gravur, kein Kompromiss
Bewusst verzichtete man darauf, die Trophäe selbst mit den Namen der Sieger zu gravieren. Zu stark würde das Design gestört, zu individuell wären die Eingriffe. Stattdessen werden die Gewinner auf separaten Silberplaketten verewigt, die später appliziert werden. Auch das gehört zum Konzept: Das Objekt bleibt als Ganzes bestehen. Rund neun Kilogramm wiegt die grosse Trophäe. Sie wird nicht einfach überreicht und verstaut. Sie bleibt bei König Jewellery, wird ausgestellt, reist – und kehrt zurück. Die Gewinner erhalten jeweils eine kleinere Version der Trophäe, die sie mit nach Hause nehmen können.
Ein Objekt mit Herkunft
Dass diese Trophäe im Engadin entstanden ist, ist kein Zufall. Hier, wo auch der Event stattfindet. Hier, wo Handwerk noch gelebt wird. «Die Autos sind früher auch in Handarbeit entstanden», sagt Nicholas König. «Das verbindet.» Am Ende ist die Trophäe mehr als ein Preis. Sie ist ein Objekt an der Schnittstelle von Design, Automobilkultur und regionalem Handwerk. Und ein stiller Beweis dafür, dass grosse Auftritte manchmal in kleinen Ateliers beginnen.
Autorin: Sina Margadant
Fotos: KOENIG/Aesthete Agency
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