Er war schon mit Oscar-Preisträger Matt Damon und Christian Bale in «Ford v. Ferrari» zu sehen oder mit Mickey Rourke und Tara Reid in «Hollywood Heist» - Gian Franco Tordi ist als Schauspieler in Hollywood angekommen. Heute lebt er in Beverly Hills, kehrt aber immer wieder ins Engadin zurück. «Hier sind meine Wurzeln, hier ist meine Familie, die für mich das Wichtigste ist», sagt er. Aufgewachsen ist Tordi in Celerina und schon mit acht Jahren, als er auf einer Bühne in Samedan in der Rolle eines Polizisten auftreten durfte, war für ihn klar: Ich möchte Schauspieler werden!
Nach seiner Schulzeit am Lyceum Alpinum Zuoz wurde Tordi aber zunächst Snowboardlehrer in St. Moritz. «Diese Zeit habe ich gebraucht, um Mut aufzubauen», erinnert er sich. Dass er nach Los Angeles gehen würde, war für ihn klar, doch er sprach zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut Englisch und kannte niemanden «dort drüben». «Ich wollte nicht einfach hingehen, um es zu versuchen, sondern um es zu schaffen», erzählt der Schauspieler. Mit dieser Einstellung stellte er sich in den darauffolgenden Jahren den Herausforderungen, welche die Filmbranche einem aufstrebenden jungen Menschen auferlegt.
Es braucht viel Durchhaltewillen
Die USA gilt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. «Ja», sagt Tordi, »aber es braucht viel Durchhaltewillen, um als Schauspieler Rollen in grossen Filmen zu erhalten.» Allein schon an die renommierte Schauspielschule UCLA School of Theater, Film and Television aufgenommen zu werden, sei wie ein Sechser im Lotto. Der Engadiner erinnert sich, wie ein Dozent am ersten Tag sagte, dass die anwesenden Studierenden zwar mit der Aufnahme eine erste Hürde genommen hätten, es für die meisten von ihnen aber mindestens 20 Jahre dauern würde, bis sie den Durchbruch schafften.
Bei Tordi sollte sich diese Prognose bewahrheiten. Er zog 2001 nach Los Angeles, erlebte Ups and Downs, lernte viel, und im Jahr 2019 feierte er mit «Ford v. Ferrari» Premiere. Es war der erste Blockbuster, in dem Tordi eine Rolle spielen durfte. Vorher schlug er sich vor allem mit Stand Up Comedy, kleineren TV- und Serienrollen, Werbeauftritten und Theaterrollen durch. «Aufgeben und zurückgehen war nie eine Option, egal, wie hart die Zeiten waren.»
Ein riesiges Filmprojekt
Tordi hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Nicolas Cage, was in Los Angeles nicht unbedingt ein Vorteil ist, «gerade weil ich öfter mit ihm verwechselt werde». Aktuell sieht es allerdings danach aus, dass er in einem nächsten Projekt sogar mit Nicolas Cage im selben Film zu sehen sein wird. Bereits zugesagt hat er für einen Film mit John Travolta und Katherine Heigl. Das Wichtigste ist Tordi aber im Moment sein eigenes Filmprojekt. Während Corona, als Hollywood still stand, hatte der Schauspieler plötzlich die nötige Zeit, um eine Idee aufzugreifen, die schon lange in seinem Kopf herumspukte: einen Action-Liebesfilm zu realisieren, der in den Schweizer Bergen spielt.
«Dieses Projekt ist inzwischen zu einer konkreten Produktion herangewachsen», erzählt er. Der Film sei als der grösste Spielfilm konzipiert, der jemals in der Schweiz realisiert wurde – sowohl in Bezug auf den Umfang und das Produktionsbudget als auch auf die Beteiligung von Hollywood-Stars, namhaften Produzenten und Filmschaffenden. So ist beispielsweise der Kameramann und Camera Operator Bela Trutz dabei, der an über 150 grossen Hollywood-Filmen gearbeitet hat, darunter Spider Man oder Dune: Part One. Filmproduzent ist der zweifache Oscar-Preisträger Nick Vallelonga, der unter anderem Green Book produziert hat. Als Co-Produktion ist FilmStudio Basel dabei. «Es soll eine Swiss Hollywood Production werden.»
Blockbuster inklusive Rumantsch
«Das ist mein Lebensprojekt», sagt Tordi. Inhaltlich gehe es im Kern um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Figuren, die in St. Moritz aufgewachsen sind. Durch verschiedene Abenteuer und besondere Umstände entwickelt sich die Handlung zu einem gross angelegten Action Adventure Thriller. «Die Geschichte ist in der Schweiz verankert und verbindet Unterhaltung mit kulturellen und historischen Elementen», erläutert der Filmemacher. Dabei spiele die Landschaft die Hauptrolle, aber auch die rätoromanische Sprache ist zentral in der Erzählung.
«Dieses Projekt ist meine Hommage an die Schweiz, ihre Landschaften, ihre Kultur, präsentiert als Hollywood-Abenteuer», so Tordi. Die Handlung und die Action des Films erstrecken sich von Zürich über Basel und Bern bis insbesondere nach Graubünden und ins Engadin.
Mit prominenter Unterstützung
Das Drehbuch schrieb Tordi gleich selbst und zeigte es anschliessend vertrauenswürdigen Branchenkennern. Das Feedback war so positiv, dass er sich dazu überreden liess, bei diesem Filmprojekt taktisch vorzugehen und die Geschichte zunächst als Roman zu veröffentlichen. «Ich bin kein Schriftsteller, sondern Filmemacher, aber um auf Sponsorensuche zu gehen, muss ich die Geschichte bekannt machen», erklärt er diese Vorgehensweise.
Und so machte er sich auf die Suche nach einem Autor – und wurde per Zufall auf einer Party fündig. Rob MacGregor hörte sich den Plot an, las anschliessend das Drehbuch und sagte sofort zu, die Romanfassung von Tordis Drehbuch zu schreiben. Mac Gregor ist New-York-Times-Bestsellerautor, Gewinner des Edgar Allan Poe Award und vor allem Autor aller sieben Indiana-Jones-Romane. «Dass ein Autor dieses Kalibers an dem Roman mitgewirkt hat, ist ein starkes Zeugnis für die Qualität und das Potenzial des Projekts und wird sicherlich auch beim Teil der Filmfinanzierung helfen», meint Tordi.
Drehstart im November geplant
Nach vier Monaten intensiver Zusammenarbeit liegt der 260 Seiten starke Roman mit dem romanischen Titel «Las Clevs» (Die Schlüssel) nun vor. Es fehlt nur noch das Cover. Im Juni soll die Vernissage stattfinden. Im November dieses Jahres will Tordi dann mit den Dreharbeiten zum gleichnamigen Film beginnen und über den Winter filmen.
Doch wie so oft hängt die Realisierung dieses Zeitplans von der Finanzierung des Spielfilms ab. In Zeiten von Streaming-Diensten und Low-Budget- Produktionen kein einfaches Unterfangen. Doch auch hier ist Tordi zuversichtlich, dass sich seine Hartnäckigkeit, sein Glaube an dieses Projekt und vor allem seine guten Kontakte, die er in 25 Jahren in Übersee knüpfen konnte, auszahlen werden.
Alles hat einen Sinn
Ohne den Glauben an sich selbst hätte es Tordi nicht geschafft, in Hollywood Fuss zu fassen. Für ihn ist klar, woher diese innere Kraft stammt: aus der Kindheit in einer intakten Familie, und dies im gesunden Umfeld des Engadins. «Ich durfte starke Wurzeln entwickeln, die mich bis heute erden», sagt er. Er liebe den Trubel in Los Angeles, das Multikulturelle und die kreative Atmosphäre – um Energie zu tanken und seine Werte zu bewahren, brauche er aber die Auszeiten im Engadin. Bis heute habe er das Kindliche in sich nicht verloren, die Zuversicht, dass alles einen Sinn ergibt, und am Ende gut kommt.
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