Später Nachmittag im Aufenthaltsraum der Jugendherberge St. Moritz. Während die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler nach einem Tag im Skigebiet bei den Vorbereitungen für das Abendprogramm sind, nimmt sich ihr Sportlehrer Christian Götz Zeit, um der EP/PL ein paar Fragen zum Thema «Schneesportlager» zu beantworten. 40 Jugendliche, drei Lehrpersonen und sieben ältere Schülerinnen und Schüler mit Jugend- & Sport-Leiterausbildung sind für das Lager nach St. Moritz gereist, im Gepäck die Winterausrüstung von allen. Götz hat bereits Schneesportlager in Davos durchgeführt, und als ihre Unterkunft dort nicht mehr verfügbar war, wechselte die Kantonsschule Sargans zur Jugendherberge in St. Moritz.
«St. Moritz ist wegen des grossen Skigebiets mit verschiedenen Pisten, den immer noch guten Loipen und der Schneesicherheit ein idealer Standort für Schneesportlager», sagt der erfahrene Lagerleiter. Der Eisplatz sei ebenso in der Nähe wie das Schwimmbad – das diesen Winter allerdings wegen Renovierung geschlossen ist. 

Eine lange Lagertradition
Die Kantonsschule Sargans hat eine lange Skilager-Tradition. Jede Schülerin und jeder Schüler geht während der Schullaufbahn zwei Mal in ein Schneesportlager, jeweils zwei Klassen werden zusammengespannt. Der Zeitraum ist ebenfalls immer derselbe, und zwar im März, während in der Schule die Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium stattfinden und kein regulärer Unterricht stattfinden kann, weil die Schulräume belegt sind.

«Die Lagerorganisation erfolgt im gleichen Team über mehrere Jahre», erklärt der Sportlehrer. Er ist der Hauptleiter und organisiert die Lagerwoche jeweils über die Schneesport-Initiative Go Snow (siehe Kasten), die kostengünstige Angebote hat. 

Alles fährt Ski oder Snowboard
Die meisten Schülerinnen und Schüler können Ski oder Snowbiard fahren. «Wir sind eine Landschule, und ich würde sagen, rund 80 Prozent der Schülerschaft hat Zugang zum Schneesport, der Pizol ist ja gerade vor der Haustür.» Dennoch finden die Schneesportlager in anderen Wintersportgebieten statt. «Wer noch nie Ski oder Snowboard gefahren ist, lernt das im Lager», so Götz. Eine Schlittel- oder Winterwandergruppe gebe es bei ihnen nicht. Täglich sind die Klassen auf der Piste, zudem gibt es ein Rahmenprogramm.

«Schneesportlager haben einen gro­ssen sozialen Wert für die Klassen», sagt der Sportlehrer. Es entstehe ein anderer Klassenzusammenhalt, wenn man eine Woche gemeinsame Erlebnisse teile. Und auch die Beziehung zum Lehrer verändert sich. Fünf Tage zusammen weg zu sein, sich auch ausserhalb der Schule kennenzulernen, neue Erfah­rungen in der Natur zu machen, das sei prägend. «Wir gehen bei jedem Wetter auf die Piste, da braucht es auch mal Überwindung.» Jugendliche sind nicht immer leicht zu motivieren, für viele ist ein Schneesportlager auch streng. «Aber ich glaube, dass am Ende der Woche alle etwas davon mitnehmen», sagt der Sportlehrer.

Eine intensive, aber schöne Zeit
Schneesportlager sind allerdings auch für die Lehrpersonen eine intensive Zeit. «Aber eine schöne Zeit», betont Götz. Das System der Kantonsschule Sargans mit dem Einsatz von älteren Schülerinnen und Schülern als J&S-Leiter habe sich bewährt. «Sobald wir im Skigebiet sind, übernehmen sie die Klassen.» Auch hier fruchtet der pädagogische Ansatz: Junge Menschen übernehmen Verantwortung, sie werden von Lagerteilnehmenden zu Leitenden. Der J&S-Kurs wird in Sargans schulintern angeboten. 

Götz versucht den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass es ein grosses Privileg ist, eine Schulwoche in den Bergen verbringen zu dürfen – vor allem im Engadin. «Es kommen Leute aus der ganzen Welt hierher», erläutert er. Dank des Go-Snow-Angebots mit günstigen Konditionen ist der Aufenthalt für 40, 50 Jugendliche plus Leiterinnen und Leiter bezahlbar. Den grössten Anteil des Lagerbeitrags bezahlen die Eltern. Für weniger verdienende Eltern existiert eine Art Solidaritätsfonds.

Ab 20.30 Uhr ohne Smartphone
Nach einem Tag auf der Piste ist für die Lagerteilnehmende noch nicht Feierabend. Jeden Abend gibt es ein anderes Programm: ein Referat von der Pistenrettung über Lawinen, eine Fackelwanderung, Schlittschuhlaufen. An einem Abend gestalten die Schülerinnen und Schüler das Programm selbst. Alle müssen um 20.30 Uhr ihre Smartphones abgeben. Grosse Diskussionen gibt es laut Götz mit den Jugendlichen nicht, die Schulregeln sind klar und gelten für alle. «Ich glaube, sie schätzen das sogar, denn den Schlaf brauchen sie».