Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und Eltern finanziell stärker zu entlasten, das ist das Ziel des neuen Gesetzes, das im August 2025 in Kraft getreten ist. Der zentrale Unterschied zum bisherigen System liegt in der sogenannten Subjektfinanzierung: Vergünstigungen werden neu direkt an die Eltern ausbezahlt und nicht mehr an die Kinderkrippen (Objektfinanzie­rung).

Rund 300 Kinder werden im Oberengadin von der Stiftung KiBE betreut. Neu muss diese den Eltern die Vollkosten in Rechnung stellen. Diese unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Tarifen, da sie keine Subventionen mehr von Kanton und Gemeinden enthalten. Die Umstellung hat im Kanton in den vergangenen Monaten für Kritik gesorgt. Doch welche Erfahrungen hat die Stiftung KiBE bislang gemacht?

Wegfall von Rabatten verunsichert
Im Jahresbericht 2025 der Stiftung KiBE heisst es: «Die Umstellung stellte alle Beteiligten vor grosse Herausforde­run­gen.» Der Kanton musste das Gesetz unter erheblichem Zeitdruck umsetzen. Die Kinderkrippen passten ihre Reglemente und Abrechnungssysteme innert kurzer Frist an, während sich Eltern im neuen System anmelden und mit neuen Abläufen vertraut machen mussten.

«Der neue Abrechnungsmodus hat Unsicherheiten ausgelöst», sagt Geschäftsleiterin Alice Bisaz. Der Preis habe sich zwar nur marginal verändert, doch die Vergünstigungen werden vom Kanton erst im Folgemonat und teilweise vorläufig ausgerichtet. Zudem fallen bisherige Rabattierungen für Mehrtagesbetreuung oder Geschwister weg. Das neue System zielt bewusst auf eine einheitliche Gleichbehandlung aller Kinder ab.

Kündigungen und neue Familien
Wie bei jeder Veränderung gebe es auch hier Gewinner und Verlierer, so Bisaz. «Einige Eltern profitieren, andere haben einen Preisschock erlebt.» Beson­ders betroffen seien Familien mit mehreren Kindern und Betreuung an mehreren Tagen.

Es habe Kündigungen gegeben, gleichzeitig seien aber auch neue Familien hinzugekommen. Zudem sei eine Tendenz zu kürzeren Betreuungszeiten feststellbar. Mit dem neuen System hätten Eltern mehrere Ansprechpartner statt nur die Stiftung KiBE, was den Informationsbedarf erhöht habe. Gerade fremdsprachige Eltern hätten Mühe, die neuen Abläufe zu verstehen. Auch intern habe die Umstellung – insbe­sondere im Informatikbereich – erheblichen Mehraufwand verursacht.

Neuer Standort ist ein Erfolg
Insgesamt blickt die Stiftung KiBE auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück. Rund 300 Kinder wurden an fünf Standorten betreut, insgesamt wurden 274 082 Betreuungsstunden geleistet – rund 20 000 mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg ist vor allem auf den neuen Standort in Silvaplana zurückzuführen.

«In Silvaplana konnten wir sehr gut Fuss fassen», sagt Bisaz. Dank zusätz­licher personeller Ressourcen habe die Auslastung kontinuierlich gesteigert werden können. An den übrigen Standorten in St. Moritz, Pontresina, Samedan und Zuoz blieb die Auslastung stabil.

Fachkräftemangel fordert heraus
Ein Dauerthema bleibt der Fachkräftemangel. «Die Mitarbeitersituation ist immer eine grosse Herausforderung», so Bisaz. Die Stiftung investiere gezielt in die Ausbildung und fördere flexible Arbeitszeitmodelle, um den Beruf attraktiver zu machen. «Wir haben das Glück, dass mehrere unserer Lernenden nach dem Lehrabschluss bleiben und wir so unseren Bedarf decken können.»

Aktuell befindet sich die Stiftung KiBE in einer Konsolidierungsphase. Die Erfahrungen mit dem neuen Gesetz erfordern jedoch Anpassungen im Reglement, um mehr Transparenz für die Eltern zu schaffen. Auch die eigenen Liegenschaften – etwa die Chüralla in Samedan und die Muntanella in St. Moritz – stehen zur Diskussion. Diese Gebäude seien nicht für die Ewigkeit gebaut worden. Im Zentrum bleibt jedoch die Betreuung der Kinder. «Dafür setzen wir uns täglich mit grossem Engage­ment ein», betont Bisaz.